Tinnitus – Kieferprobleme

Kieferprobleme als Ursache für Tinnitus?

Jeder zehnte Deutsche hat bereits Erfahrungen mit Ohrgeräuschen gemacht. Viele können sie ausblenden und empfinden sie deshalb nur als wenig störend – doch ganze 1,5 Millionen Menschen leiden unter einem chronischen Tinnitus. Besonders Männer sind häufig von dem Problem betroffen.

Was ist ein Tinnitus?

Im Laufe seines Lebens hört nahezu jeder Mensch einmal Ohrgeräusche: es brummt, summt, pfeift oder zischt für ein paar Sekunden, dann verschwindet der Ton wieder. Ein völlig normales Phänomen. Anders verhält es sich, wenn Ohrgeräusche, auch Ohrensausen oder -klingeln genannt, kontinuierlich oder immer wieder über einen längeren Zeitraum wahrgenommen werden. In diesem Fall spricht man in der Medizin von einem Tinnitus (lat. „tinnire“ = klingeln, klimpern oder schellen).

Charakteristisch für einen solchen Tinnitus ist, dass die Ohrgeräusche nicht von der Umwelt, sondern vom Patienten selbst verursacht werden und für den Betroffenen keinerlei Informationswert besitzen. Ob Menschen, die unter einem Tinnitus leiden, im Alltag Beeinträchtigungen erleben, ist oft abhängig von der Ausprägung der Ohrgeräusche. Viele Patienten können die Töne ignorieren und gut damit leben, einige belasten sie jedoch sehr. Ist das der Fall, wird aus dem Symptom „Tinnitus“ in der Folge eine eigenständige Erkrankung, welche psychotherapeutischer Unterstützung bedarf.

Kaufunktionsstörung als Ursache

Ein Tinnitus kann verschiedene Ursachen haben, häufig ist ein Lärm- oder Schleudertrauma der Auslöser. In manchen Fällen liegt jedoch eine funktionelle Störung im Kausystem vor. Studien zeigen, dass es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen einer Craniomandibulären Dysfunktion (CMD), also einer Fehlfunktion im Kiefergelenk, und Tinnitus gibt. Tatsächlich zählen Ohrgeräusche zu den häufig auftretenden Symptomen einer solchen Kaufunktionsstörung. Oft hat eine erfolgreiche Behandlung des Kiefers auch eine Besserung des Tinnitus zur Folge.

Kausystem und Hörorgan sind eng verbunden

Das Ohr und das Kiefergelenk sind muskulär und anatomisch eng verbunden, denn die Nervenstränge zwischen Mittelohrkomplex, Gehörgang und Kiefergelenk stellen zahlreiche Verbindungen her. Auch sind der Rücken bzw. die Halswirbelsäule über ein komplexes System aus Muskeln, Bändern und Nerven mit dem Kiefer verkoppelt.

 

Diese Vernetzungen sind der Grund dafür, dass auch Zahnfehlstellungen einen Tinnitus auslösen können. Denn durch eine Fehlbelastung der Zähne kann es zu einem krankhaften Druck auf Kaumuskulatur und Kiefergelenk kommen. Besonders Druck auf die sogenannte bilaminäre Zone, ein Teil der Kiefergelenkkapsel, welcher sich in unmittelbarer Nähe zum Mittelohr befindet, kann ursächlich für einen Tinnitus sein. Denn dieser Teil des Kiefergelenks ist nicht nur dicht von Blutgefäßen, sondern auch von zahlreichen Nerven durchzogen.

Hilfe bei Stress im Ohr durch falschen Biss

Um abzuklären, ob ein Zusammenhang zwischen den Ohrgeräuschen und einer Fehlfunktion von Kiefergelenken und Zähnen besteht, sollte ein speziell ausgebildeter Zahnarzt, Kieferchirurg oder -orthopäde aufgesucht werden. Dieser untersucht eingehend die Funktion des Kieferapparates und kann gegebenenfalls ein Kiefermodell anfertigen. Darüber hinaus wird überprüft, ob Zahnbehandlungen, die im Zeitraum des erstmaligen Auftretens des Tinnitus durchgeführt wurden, die Ursache für die Ohrgeräusche seien könnten.

 

Wer vermutet, dass eine Fehlfunktion des Kauapparates ursächlich für die Ohrgeräusche sein könnte, sollte sich unbedingt hierzu informieren. Der Frage, ob die Kiefergelenksfunktion mit dem Tinnitus zusammenhängt, muss besonders dann nachgegangen werden, wenn:

  • Unmittelbar vor der Tinnitus-Entstehung eine Zahnbehandlung stattfand

  • Vom Kiefergelenk wiederholt Gesichts- und Ohrenschmerzen aufgetreten sind

  • Sie nachts häufig mit den Zähnen knirschen

  • Sie unter starken Verspannungen in der Kaumuskulatur oder im Kiefergelenk leiden

  • Ein Fehlbiss besteht; also wenn Unter- und Oberkiefer nicht optimal zueinander stehen

  • Bereits eine Fehlfunktion des Kiefergelenks nachgewiesen werden konnte

Keine Therapiemöglichkeit sollte ungenutzt bleiben!

Bei einem akuten Tinnitus bestehen besonders in der Anfangsphase relativ gute Heilungschancen. Aus diesem Grund sollte eine Abklärung der Ursachen so frühzeitig wie möglich erfolgen. Wurde einmal festgestellt, dass der Tinnitus in einer Fehlfunktion des Kiefergelenks begründet liegt, können individuelle Therapiemaßnahmen besprochen werden.

 

Häufig nimmt eine Schienentherapie eine Schlüsselrolle bei der Behandlung der Kieferprobleme ein. Die Schienen entlasten die Kiefergelenke, entspannen auf neuromuskulärer Ebene und führen den Biss neu.

 

Aber auch Entspannungsmaßnahmen können helfen, da das Kiefergelenk wie auch das restliche Gesicht eng mit der seelischen Verfassung der Betroffenen verknüpft ist. Körperliche oder seelische Anspannung äußert sich häufig in vermehrtem Druck auf das Kiefergelenk, weshalb geführte Entspannungsübungen zu einer Linderung führen können.

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